


23. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium nach Lukas 14,25-33.
Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.
Kommentar des heutigen Evangeliums
Hl. Johannes Kassian (um 360 - 435), Klostergründer in Marseille
Konferenzen, I, 6-7
Gott unseren wahren Schatz anbieten
Einige, die beträchtliches Vermögen, enorme Gold- und Silbermengen und herrliche Landgüter verachtet haben, um Christus nachzufolgen, haben sich nachher von einem Radiermesser, von einer Ahle, von einer Nadel, von einer Schreibfeder ergreifen lassen... Nachdem sie alle ihre Reichtümer aus Liebe zu Christus verteilt haben, lassen sie sich von ihrer alten Leidenschaft zurückhalten und geben sich mit Nichtigkeiten ab, schnell zum Zorn bereit, wenn es sie zu verteidigen gilt. Weil sie nicht die Liebe besitzen, von der der hl. Paulus spricht, wurde ihr Leben mit Unfruchtbarkeit geschlagen. Der selige Apostel hat dieses Unglück vorhergesehen: «Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte zur Nahrung für die Armen und meinen Leib den Flammen übergäbe, aber die Liebe nicht habe, nützt es mir nichts.» (vgl. 1 Kor 13,3). Das ist ein sicherer Beweis dafür, dass man nicht in einem Handschlag vollkommen wird einzig durch den Verzicht auf jeden Reichtum und die Verachtung von Ehren, wenn man nicht auch jene Liebe übt, deren verschiedene Seiten der Apostel beschreibt.
Sie kann jedoch nur in der Reinheit des Herzens gedeihen. Denn wenn man auch die Lust, den Zorn und die Zügellosigkeit verwirft, sich nicht an der Ungerechtigkeit freut, das Böse nicht nachträgt und vieles andere mehr (vgl. 1 Kor 13,4-5), was ist das anderes, als Gott ohne Unterbrechung ein vollkommenes und reines Herz darzubieten und es vor jeder Leidenschaft unversehrt zu bewahren? Die Reinheit des Herzens also ist es, die wir als letztes Ziel unserer Taten und unserer Wünsche ansehen.

Fest Maria Geburt

Evangelium nach Matthäus 1,1-16.18-23.
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:
Abraham war der Vater von Isaak, Isaak von Jakob, Jakob von Juda und seinen Brüdern.
Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram,
Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon.
Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai,
Isai der Vater des Königs David. David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war.
Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa,
Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija.
Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija,
Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija.
Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.
Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiel, Schealtiel von Serubbabel,
Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor.
Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud,
Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob.
Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
Kommentar des heutigen Evangeliums
Hl. Johannes von Damaskus (um 675 – 749), Mönch, Theologe, Kirchenlehrer
Homilie zum Fest Mariä Geburt
Eine Mutter, würdig dessen, der sie geschaffen hat
Kommt, ihr Nationen alle! Kommt, ihr Menschen aller Rassen, aller Sprachen und jeden Standes! Lasst uns mit Freude die Geburt der Freude aller Welt feiern! Wenn sogar die Heiden den Geburtstag ihres Königs festlich begehen..., was sollten da erst wir tun, um den Geburtstag der Gottesmutter würdig zu feiern, durch die das ganze Menschengeschlecht umgestaltet worden ist, durch die der Kummer Evas, unserer ersten Mutter, in Freude umgewandelt worden ist? Eva hat ja den Richterspruch Gottes vernommen: „Unter Schmerzen gebierst du Kinder!“ (Gen 3,16), und Maria galt das Wort: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir!“(Lk 1,28)...
In festlicher Stimmung soll die ganze Schöpfung die heilige Niederkunft einer heiligen Frau besingen; denn sie hat einen unvergänglichen Schatz zur Welt gebracht... Durch sie hat sich das Schöpferwort Gottes mit der ganzen Schöpfung vereint; und so feiern wir das Ende der menschlichen Unfruchtbarkeit, das Ende unserer Hinfälligkeit, die uns nicht in den Besitz des Guten hat kommen lassen...Die Natur musste der Gnade weichen... Wie die Jungfrau Mutter Gottes von Anna, der Unfruchtbaren, geboren werden sollte, so blieb die Natur ohne Frucht, bis die Gnade ihre Frucht zeitigte. Sie musste den Schoß seiner Mutter öffnen, die den „Erstgeborenen der ganzen Schöpfung“ gebären sollte, in dem „alles Bestand hat“ (Kol 1,15.17).
Joachim und Anna – welch seliges Paar seid ihr! Die ganze Schöpfung schuldet euch Dank. Durch euch hat sie dem Schöpfer ihre beste Gabe geschenkt: eine verehrungswürdige Mutter, die einzige Mutter, die dessen würdig ist, der sie geschaffen hat.

