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Leitbild des Vereins für eine offene Kirche

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Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben sie [die Gläubigen] das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie ... den übrigen Gläubigen kundzutun. (Canon 212 § 3 CIC).

"Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt." (1. Kor. 12,7)

Am 2. Februar 1998 haben wir den Verein aus unserem christlichen Selbstverständnis heraus gegründet: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben." (Joh. 15,5) In dieser Verbindung mit Christus wollen wir leben, in einer lebendigen Gemeinschaft, der Kirche.

Wie der Sabbat für den Menschen und nicht der Mensch für den Sabbat da ist (vgl. Mk. 2,27), so ist die Kirche für den Menschen und nicht der Mensch für die Kirche da. Das bedeutet einerseits, dass die Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen Stütze und Hilfe ist für jeden einzelnen. Der Mensch ist heute viel mehr als früher gefordert, tagtäglich für sich und für sein Umfeld Entscheidungen zu treffen. Hier braucht er die Hilfe und Unterstützung einer lebendigen christlichen Gemeinschaft. Das bedeutet andererseits aber auch, dass in der Kirche Barmherzigkeit und Liebe der Gesetzlichkeit vorgehen. Die Liebe Gottes zu den Menschen und die Liebe der Menschen untereinander stehen im Vordergrund und nicht die gesetzlichen Bestimmungen. Denn im Gebot der Liebe ist alles enthalten, was das Gesetz des Mose und die Lehren der Propheten über Gottes Willen aussagen (Mt. 22,40).

Damit die Kirche ihre Aufgabe als Helferin der Menschen wahrnehmen kann, muss sie Toleranz üben und die Integration fördern. Möglichst viele sollen eine Heimat in der Kirche finden. So schreibt Paulus: "Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. ... Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm." (1. Kor. 12,12/27). Die Kirche ist eine lebendige Gemeinschaft verschiedener Kräfte und Personen, die aufeinander verwiesen und angewiesen sind. Sie ist ein gegenseitiges befruchtendes Miteinander aller Gläubigen, Priester und Laien. Priester und Bischöfe sollen auf die Gläubigen hören, ihren Rat annehmen und sie in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen, ebenso sollen die Gläubigen ihre Aufgaben in Kirche und Welt gemeinsam mit dem Bischöfen und Priestern vollziehen (siehe Konstitution Lumen Gentium des 2. Vatik. Konzils, Nr. 37).

In Liechtenstein ist die Kirche eine solch lebendige Gemeinschaft, welche von den Christinnen und Christen der einzelnen kirchlichen Gemeinschaften getragen wird: den Pfarreien, den klösterlichen Gemeinschaften, den überpfarreilichen Institutionen und den Hilfswerken. Alle tragen auf ihre Weise zum Bau der einen Kirche bei. Dabei ist insbesondere an die vielen Freiwilligen zu denken, die unentgeltlich Grossartiges leisten und deren Arbeit von grossem inhaltlichen und materiellen Wert ist. Wir möchten, dass diese Vielfalt erhalten bleibt und dass das religiöse Leben im Alltag seinen festen Platz behält. Jeder soll seine Talente zum Wohl der Gemeinschaft einbringen können. Wir wollen uns in Liechtenstein auch weiterhin an den benachbarten Bistümern orientieren und so von den Erfahrungen und Einsichten anderer lernen.

Der christlichen Kinder- und Jugenderziehung messen wir einen hohen Stellenwert für ein zukünftiges friedliches Zusammenleben in einem neuen Europa und einer sich ständig wandelnden Welt bei. Hier ist die Kirche besonders gefordert. Aber auch der Staat. Deshalb messen wir dem staatlichen Religionsunterricht eine grosse Bedeutung bei. Es ist zu beachten, dass wir einer kritisch und hinterfragend denkenden Jugend begegnen, deren Wissen noch nie so breit und umfassend war wie heute. Wir haben junge Menschen vor uns, welche keine dogmatisch überladenen Lehren suchen, sondern eine geistig offene, ihr Vertrauen verdienende Gemeinschaft.

Wir setzen uns ein für die traditionell gute Beziehung zwischen unserem Staat und der Kirche. Wo neue Strukturen sinnvoll sind, sollen sie geschaffen werden entsprechend dem klugen Rat des Paulus: "Prüfet alles und bewahret das Gute" (1. Thess. 5,21).

Die Ziele des Vereins

Die Ziele des Vereins ergeben sich aus den ersten beiden Artikeln der Statuten. Sie lassen sich zu 5 Bereichen zusammenfassen, zu denen noch zwei weitere Bereiche hinzukommen: Das kirchliche Leben in den Pfarreien und die Administration. Im folgenden soll von den 7 Bereichen des Vereins die Rede sein, insbesondere aber von der Verwirklichung der Vereinsziele.

Unter jedem der nachgenannten Bereiche werden zunächst die entsprechenden Vereinsziele angeführt und dann beschrieben, wie diese verwirklicht werden können bzw. bereits verwirklicht werden.

I. Kirchliches Leben

  • Förderung des religiösen Lebens in Liechtenstein
  • Aufrechterhaltung der religiösen Vielfalt in der Kirche inLiechtenstein
  • Orientierungshilfen bieten in praktischen Belangen des kirchlichen Lebens
  • Unterstützung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen denkirchlichen Amtsträgern, Priestern, Ordensleuten, Laientheologinnenund Laientheologen und Laien
  • Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit unter den christlichen Konfessionen in Liechtenstein
  • Pflege der Beziehungen zum Bistum Chur, zu den anderen benachbarten Bistümern, zu den Kirchen in der Schweiz und Österreich und deren Institutionen.

In Veranstaltungen und Diskussionsrunden wollen wir die Wesensgrundlagen unseres Glaubens und die Vielfalt in seiner Ausgestaltung bewusst machen. Weiters wird der Verein Feldgottesdienste, Wallfahrten, Wortgottesdienste und ähnliches gestalten.

Wir sind der Ansicht, dass der Einsatz von Laientheologinnen und Laientheologen in der Pfarreiseelsorge nicht eine Notlösung ist, sondern eine Bereicherung des kirchlichen Lebens, die heute nicht mehr wegzudenken ist. In Zusammenarbeit mit dem Verein haben die Laientheologinnen und Laientheologen eine Arbeitsgruppe kirchliches Leben für alle Theologinnen und Theologen in Liechtenstein gegründet. Die in der Arbeitsgruppe kirchliches Leben zusammengeschlossenen Theologinnen und Theologen sind bereit, weitere Aufgaben, wie etwa ein "offenes Telefon" oder Beratungsgespräche zu übernehmen.

Wir sind uns bewusst, dass sich das kirchliche Leben vor allem in den Pfarreien abspielt. Veranstaltungen des Vereins werden deshalb in Absprache mit den Pfarreien organisiert. Es ist denkbar, dass sich der Verein in einer Gemeinde bei einem bestimmten Anlass, beispielsweise an der Gestaltung der Liturgie beteiligt. Darüberhinaus wollen wir neue Formen eines christlichen Miteinanders finden, die das spirituelle Leben im Land weiter vertiefen sollen.

Bisher war das Dekanat Liechtenstein in der Biberbrugger Konferenz vertreten. Es besteht das Angebot, dass weiterhin ein Vertreter bzw. eine Vertreterin Liechtensteins an der Biberbrugger Konferenz mitmacht.

Gemeinsame Veranstaltungen mit den beiden evangelischen Kirchen in Liechtenstein oder die Mitarbeit im Arbeitskreis christlicher Konfessionen sollen die Oekumene in Liechtenstein beleben. Seitens der evangelisch-reformierten Kirche und der lutherischen Kirche in Liechtenstein ist dem Verein die volle Unterstützung zugesagt worden.

II. Soziales und Mitwelt

  • Solidarität mit allen Menschen und mit künftigen Generationen
  • Einstehen für die Würde und die Rechte aller Menschen
  • Hilfe und Schutz für die Schwächeren, Bedürftigen und Bedrängten.

Die vorgenannten Vereinsziele werden auch von anderen Organisationen verfolgt, wie etwa dem Roten Kreuz, der Caritas oder Justitia et Pax. Schon aufgrund der geringen personellen Ressourcen in unserem Land wäre es wenig sinnvoll, wenn der Verein in diesen Gebieten tätig wird. In gewissen Bereichen ist jedoch eine Zusammenarbeit sinnvoll. So ist der Verein Gründungsmitglied der Flüchtlingshilfsorganisation unseres Landes. In anderen Bereichen stellt der Verein seine guten Dienste zur Verfügung: Die Stiftung "Justitia et Pax", welche für die Benachteiligten unserer Gesellschaft eintritt, erhält die administrative Unterstützung des Vereins.

Künftig wäre es auch möglich, dass der Verein - etwa mit einer Solidaritätserklärung - die Bemühungen anderer Organisationen unterstützt.

III. Politik

  • Auseinandersetzen mit dem liechtensteinischen Staat aus christlicher Sicht; insbesondere mit der liechtensteinischen Rechts-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung
  • Förderung der Partnerschaft von Kirche und Staat in Liechtenstein
  • Sorge um Frieden und Einheit in der Kirche, im Staat und in der Familie.

Wir werden uns mit der christlichen Soziallehre auseinandersetzen. Themen wie Wirtschaftsethik und eine faire Weltwirtschaftsordnung sollen hier zur Sprache kommen, wobei sich der Verein beispielsweise durch die Teilnahme an Vernehmlassungen konkret mit diesen Themen auseinandersetzen wird.

Der Verein setzt sich für eine kritisch loyale Partnerschaft in Kirche und Staat ein. Was dies bedeutet und was allenfalls eine Entflechtung oder gar eine eine Trennung von Kirche und Staat bedeuten würde, soll in entsprechenden Veranstaltungen und Diskussionsrunden erörtert werden.

Der Verein möchte der Polarisierung im religiösen und gesellschaftlichen Leben entgegenwirken. Dies kann nur in einem offenen und ehrlichen Dialog erreicht werden, in dem der Andersdenkende nicht verketzert wird.

Zur Betreuung dieses Bereichs wird soll eine Arbeitsgruppe "Politik" eingesetzt.

IV. Trägerschaft

  • Betreuung und Trägerschaft von Einrichtungen der Fürsorge und der sozialen Arbeit, die auf einem christlichen Menschenbild beruhen.

Von Anfang an war der Verein bereit, die Trägerschaft für die zum aufgelösten Dekanat gehörenden Arbeitsstellen und Arbeitskreise zu übernehmen. Diese bewährten Institutionen sollten als Ganzes in ihrer bisherigen Form eine neue Trägerschaft erhalten, ohne ihre bewährten Strukturen verändern zu müssen.

Diesbezüglich hat der Vereinsvorstand und der Administrationsrat einem gemeinsamen Vorgehen zugestimmt und einer Delegation aus beiden Organen den Auftrag erteilt, mit der Regierung entsprechende Gespräche zu führen.

Die angestrebte Trägerschaft des Vereins hat in Bezug auf die Erwachsenenbildung zu einer öffentlichen Diskussion geführt. Hier scheint jedoch ein Irrtum bezüglich der Absichten des Vereins zu bestehen: Die Trägerschaft des Vereins für die Erwachsenenbildung bedeutet nicht, dass der Verein auch die Inhalte der Erwachsenenbildung bestimmt. Es ist heute schon so, dass der zuständige Arbeitskreis für Erwachsenenbildung aus Vertretern verschiedenster Institutionen und Organisationen unseres Landes zusammengesetzt ist. An diesem bewährten Konzept soll sich nichts ändern.

Die Jugendarbeit des Vereins soll vor allem innerhalb der bisherigen Jugendarbeitsstelle geleistet werden. Die Jugendarbeiter Liechtensteins haben sich einhellig für eine Uebernahme der Jugendarbeitsstelle durch den Verein ausgesprochen.

V. Öffentlichkeitsarbeit

  • Erörterung der kirchlichen Situation in Liechtenstein
  • Informationen über das kirchliche und pastorale Leben

Für diesen Bereich besteht eine Arbeitsgruppe Oeffentlichkeitsarbeit. Diese Arbeitsgruppe nimmt zu aktuellen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen Stellung, hält Kontakt zu den Medien, organisiert Veranstaltungen etc. Nicht nur die im Lande aktuellen Themen sollen bearbeitet werden, sondern auch allgemein-interessierende Themen (wie beispielsweise eine Informationsveranstaltung zum "Opus Dei") und kulturelle Veranstaltungen im Zusammenhang mit kirchlichen Themen.

Ein "Treffpunkt" könnte dem Gedanken- und Informationsaustausch zwischen den Vereinsmitgliedern dienen.

Die Arbeitsgruppe Medien hält auch den Kontakt mit der Regierung, den Behörden und den Gemeinden, sowie Vertretern der Kirche. Sie verschafft ihrerseits dem Verein, insbesondere dem Vereinsvorstand die notwendigen Informationen.

Geprüft wird auch, ob und in welcher Form ein eigenes Vereinsblatt herausgegeben oder die Zusammenarbeit mit einem bereits bestehenden Publikationsorgan gesucht wird.

VI. Pfarreien

Wie bereits ausgeführt, findet das kirchliche Leben vor allem in den Pfarreien statt. Zu diesen Pfarreien möchte der Verein einen engen Kontakt pflegen. Nachdem jedes Vereinsmitglied auch Pfarreimitglied ist, könnten Ortsgruppen des Vereins gegründet werden. Diese Ortsgruppen würden die Ziele des Vereins innerhalb ihrer Pfarrei verfolgen.

Sinnvoll sind auch gemeinsame Anlässe zwischen einer Pfarrei und dem Verein. Dies könnte etwa die Gestaltung der Liturgie oder eine gemeinsame Informationsveranstaltung sein.

VII. Administration

Jede Organisation bedarf einer Administration. Bei einem derzeitigen Mitgliederstand von fast 900 gehört der Verein für eine offene Kirche zu den grössten Vereinen in Liechtenstein. Trotzdem ist unsere Administration so bescheiden wie möglich. Schon seit Beginn hat der Vereinsvorstand einen Administrator eingestellt, der teilzeitlich für den Verein arbeitet. Seine Finanzen erhält der Verein aus den Mitgliederbeiträgen und Spenden.

Schaan, den 28. Mai 1998

Verein für eine offene Kirche